Augen und Ohren beim Welpen: Weniger ist mehr
Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Ein gesundes Ohr braucht keine Pflege
Das ist die Nachricht, die gegen die halbe Zoohandlung steht: Ein sauberes, gesundes Hundeohr wird nicht gereinigt.
Der Gehörgang des Hundes reinigt sich selbst. Er ist L-förmig gebaut, Ohrenschmalz wandert von innen nach außen. Wer regelmäßig Reiniger hineingibt und wischt, stört genau diesen Vorgang, reizt die Haut und schafft die feuchte Umgebung, in der sich Hefen und Bakterien wohlfühlen.
Dasselbe gilt für Augen: Ein gesundes Auge ist klar, ohne Ausfluss und braucht nichts.
Die eigentliche Aufgabe ist deshalb nicht Pflege, sondern Kontrolle – und das Wissen, wann es kein Pflegefall mehr ist.
Auf einem Blick
- niemals Wattestäbchen in den Gehörgang
- gesunde Ohren nur anschauen, nicht reinigen
- Reiniger nur auf tierärztliche Anweisung
- Kopfschütteln, Kratzen, Geruch sind Anzeichen, keine Marotten
- Augen von außen nach innen wischen, je Auge ein eigenes Tuch
- ständig tränende Augen bei Welpen gehören abgeklärt
Die Ohren ansehen – einmal pro Woche
Ohrmuschel vorsichtig anheben und hineinschauen. Gesund heißt: blassrosa Haut, kein Belag, kein Geruch, höchstens eine Spur hellbraunes Sekret am Rand.
Was auf ein Problem hindeutet:
- Kopfschütteln oder Schiefhalten
- Kratzen am Ohr, Scheuern am Boden oder Möbeln
- Geruch – süßlich, hefig, faulig
- Rötung, Schwellung, Wärme
- dunkelbrauner, krümeliger Belag wie Kaffeesatz
- Berührungsempfindlichkeit, Rückzug bei der Kontrolle
Das gehört in die Praxis. Denn hinter einer Ohrenentzündung stecken sehr unterschiedliche Ursachen: Ohrmilben, Hefen, Bakterien, ein Fremdkörper – bei Welpen ist eine Grasgranne im Sommer ein Klassiker. Jede Ursache braucht eine andere Behandlung, und was gegen Milben hilft, nützt gegen Hefen nichts.
Deshalb ist Selbstbehandeln hier besonders unklug: Ein Mittel „gegen Ohrenentzündung“ aus dem Internet kann die Diagnose verschleppen. Und wenn das Trommelfell beschädigt ist, richten manche Präparate echten Schaden an.
Wiederkehrende Ohrenentzündungen sind übrigens selten ein Ohrenproblem. Sie sind häufig ein Hinweis auf eine Allergie – auch auf eine Futtermittelallergie, siehe Futtermittelunverträglichkeiten bei Welpen.
Wenn doch gereinigt werden muss
Dann nach Anweisung der Praxis, mit einem dafür vorgesehenen Mittel, und so:
- Den Reiniger in den Gehörgang geben, nicht auf ein Tuch.
- Den Ohrgrund von außen sanft massieren – es soll leise glucksen.
- Den Hund schütteln lassen. Das befördert das Gelöste heraus.
- Nur das, was sichtbar in der Ohrmuschel liegt, mit einem weichen Tuch aufnehmen.
Nie mit einem Wattestäbchen in den Gehörgang. Man schiebt damit nach innen, was heraus soll, und kann das Trommelfell verletzen.
Und: Ohren nach dem Baden oder Schwimmen trocken tupfen. Feuchtigkeit im Ohr ist der häufigste Auslöser überhaupt – besonders bei Hunden mit Schlappohren, unter denen es ohnehin warm und feucht ist.
Die Augen
Ein klares Auge braucht nichts. Sammelt sich morgens etwas Schlaf in den Augenwinkeln, wischst du ihn mit einem weichen, angefeuchteten Tuch von außen nach innen weg – und für jedes Auge ein eigenes Tuch, damit nichts von einem Auge ins andere wandert.
Keine Augentropfen „zur Pflege“, keine Kamille. Kamille reizt die Bindehaut bei vielen Hunden eher, als dass sie beruhigt.
In die Praxis gehört ein Welpe bei:
- gelblichem oder grünlichem Ausfluss
- Zukneifen eines Auges, vermehrtem Blinzeln
- Rötung, Schwellung, Trübung
- Reiben mit der Pfote oder Scheuern am Boden
- einer sichtbaren Verletzung oder plötzlich starkem Tränen
Das Zukneifen ist das wichtigste Zeichen. Es deutet auf Schmerz hin, und dahinter steckt oft eine Verletzung der Hornhaut – die heilt gut, wenn sie früh behandelt wird, und schlecht, wenn man wartet.
Ständig tränende Augen
Ein feuchter Streifen unter dem Auge, der braun wird, ist nicht immer harmlos.
Bei manchen Rassen ist es baulich bedingt. Bei anderen steckt etwas dahinter, das sich beheben lässt: ein verengter Tränenkanal, nach innen gerollte Lider, Wimpern, die auf der Hornhaut reiben. Bei Welpen lohnt sich die Abklärung, weil eine Fehlstellung der Lider früh operiert deutlich weniger Schaden anrichtet als spät.
Kurznasige Rassen sind hier besonders betroffen – ihre Augen liegen flacher und sind ungeschützter.
Was der Welpe lernen sollte
Wie beim Krallenschneiden gilt: Übe das Anschauen, bevor du es brauchst.
Ohrmuschel anheben, kurz hineinschauen, loben. Am Auge vorbeiwischen, ohne etwas zu entfernen. Ein paar Sekunden, mehrmals die Woche. Ein Hund, der das kennt, lässt sich auch dann untersuchen, wenn das Ohr wehtut – und genau dann ist es nötig.
Zusammenfassung
Gesunde Ohren und Augen brauchen keine Pflege, sondern Kontrolle. Einmal pro Woche hineinschauen reicht. Wattestäbchen gehören nie in den Gehörgang, Reiniger nur nach Anweisung der Praxis. Kopfschütteln, Kratzen, Geruch oder ein kaffeesatzartiger Belag sind Anzeichen für eine Entzündung – und die hat verschiedene Ursachen, die verschieden behandelt werden. Am Auge ist das Zukneifen das wichtigste Warnzeichen, weil es auf Schmerz hindeutet. Und wer das Anfassen früh übt, kann später auch dann untersuchen, wenn es unangenehm ist.




