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Krallen schneiden beim Welpen: Das Leben liegt in der Kralle

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Krallen schneiden beim Welpen
Wie bei den Zähnen gilt: Der Welpe soll das Anfassen kennen, bevor es nötig wird

Warum es beim ersten Mal so oft schiefgeht

In jeder Kralle steckt ein lebender Teil: Blutgefäße und Nerven, das sogenannte Leben. Wer dort hineinschneidet, verursacht Schmerz und eine Blutung, die erstaunlich heftig aussieht.

Ein Welpe, dem das einmal passiert ist, vergisst es nicht. Und aus einer Zwei-Minuten-Angelegenheit wird für die nächsten Jahre ein Ringkampf.

Deshalb ist die wichtigste Arbeit nicht das Schneiden, sondern das, was vorher kommt: das Anfassen der Pfoten üben, lange bevor die erste Kralle zu lang ist.

Auf einem Blick

Woran du siehst, dass es Zeit ist

Die verlässlichste Probe ist akustisch: Wenn der Hund über Fliesen oder Laminat läuft und die Krallen hörbar klicken, sind sie zu lang.

Die zweite Probe ist optisch: Im Stand sollten die Krallen den Boden gerade eben nicht berühren.

Wie oft das nötig ist, hängt vom Untergrund ab. Ein Hund, der viel auf Asphalt läuft, wetzt sie von selbst ab. Ein Welpe, der überwiegend auf Wiese und Teppich unterwegs ist, braucht regelmäßig Hilfe – und gerade in den ersten Monaten ist er mangels langer Spaziergänge genau dieser Fall.

Wo das Leben endet

Helle Krallen machen es leicht: Man sieht einen rosafarbenen Kern, der in die Kralle hineinreicht. Geschnitten wird mit ein paar Millimetern Abstand davor.

Dunkle Krallen sind die eigentliche Aufgabe, weil man nichts durchscheinen sieht. Der Trick liegt in der Schnittfläche:

  1. Ein sehr kleines Stück abnehmen, kaum mehr als die Spitze.
  2. Die Schnittfläche von vorn ansehen. Sie ist zunächst gleichmäßig hell und trocken.
  3. Wieder ein kleines Stück. Wieder schauen.
  4. Sobald in der Mitte ein dunkler oder feuchter Punkt erscheint, ist das Leben nah. Ab hier nicht weiter.

Der Punkt ist das Vorzeichen, nicht der Schaden. Wer bei ihm aufhört, hat die Kralle so kurz, wie sie sein kann.

Die Wolfskralle

Innen am Vorderbein, ein Stück oberhalb der Pfote, sitzt bei vielen Hunden eine fünfte Kralle. Sie hat keinen Bodenkontakt und wetzt sich deshalb nie ab.

Das ist die Kralle, die einwächst, wenn niemand hinsieht – im Kreis, bis sie ins eigene Ballengewebe sticht. Bei manchen Rassen sitzt sie auch an der Hinterhand, gelegentlich doppelt.

Sie gehört bei jedem Durchgang kontrolliert.

So übst du es

Schritt eins, wochenlang vorher: Pfoten anfassen, ohne etwas zu tun. Eine Pfote in die Hand nehmen, loben, loslassen. Zehen einzeln berühren. Mehrmals täglich, ein paar Sekunden.

Schritt zwei: Die Zange dabeihaben, ohne sie zu benutzen. Daran schnuppern lassen, an die Kralle halten, wieder weglegen.

Schritt drei: Eine Kralle. Dann aufhören. Nicht alle achtzehn an einem Nachmittag.

Schritt vier: Über Tage verteilen. Eine Pfote heute, eine morgen. Das dauert länger und funktioniert dafür ein Leben lang.

Günstig ist ein Zeitpunkt, an dem der Welpe müde ist – nach dem Spaziergang, nicht davor.

Womit

Zange oder Schere sind Geschmackssache; wichtig ist, dass das Werkzeug scharf ist. Eine stumpfe Zange quetscht die Kralle, statt sie zu trennen, und das tut weh.

Ein Schleifgerät arbeitet in sehr kleinen Schritten und macht ein Zuviel unwahrscheinlich. Dafür brummt und vibriert es – manche Hunde finden das schlimmer als den kurzen Druck einer Zange. Wer es einsetzt, führt es wie alles andere langsam ein.

Blutstillendes Pulver aus der Tierarztpraxis oder Apotheke gehört griffbereit daneben, bevor du anfängst. Es zu suchen, während die Kralle blutet, ist die schlechteste aller Möglichkeiten.

Wenn es doch passiert

Ruhig bleiben. Es sieht nach mehr aus, als es ist.

Blutstillendes Pulver auf die Schnittfläche drücken, alternativ etwas Speisestärke oder Mehl. Ein paar Minuten Druck mit einem sauberen Tuch. In aller Regel steht es danach.

Für den Rest des Tages ist Schluss mit Krallen, auch wenn nur noch eine fehlt. Und beim nächsten Mal an einer anderen Pfote anfangen.

Zum Tierarzt gehört es, wenn die Blutung nach zehn Minuten nicht steht, die Kralle eingerissen oder abgebrochen ist oder der Hund die Pfote danach schont.

Wenn der Hund gar nicht mitmacht

Das kommt vor, gerade bei Hunden mit schlechter Erfahrung. Dann ist Zwang der falsche Weg – er bestätigt nur, dass die Sache schlimm ist.

Brauchbare Wege: das Anfassen der Pfoten wieder ganz von vorn aufbauen, in sehr kleinen Schritten und mit viel Futter. Oder die Krallen für eine Weile in der Tierarztpraxis kürzen lassen, während zu Hause geübt wird.

Zusammenfassung

In jeder Kralle liegt ein lebender Teil – bei hellen Krallen sichtbar, bei dunklen nur über die Schnittfläche zu erahnen: Erscheint dort ein dunkler Punkt, ist Schluss. Besser oft ein wenig als selten viel, und die Wolfskralle am Vorderbein nicht vergessen, weil sie sich nie abwetzt. Am wichtigsten ist aber die Vorarbeit: Ein Welpe, der das Anfassen seiner Pfoten von Anfang an kennt, macht das ein Leben lang ruhig mit. Und das blutstillende Pulver liegt bereit, bevor die Zange angesetzt wird.