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Nassfutter oder Trockenfutter für den Welpen?

Christoph MeyerErnährungsberater für Hunde & Katzen

Nassfutter oder Trockenfutter für den Welpen
Die Frage, die jeder stellt – und die weniger entscheidet als die Qualität des jeweiligen Produkts

Die unbeliebte Antwort

Beides geht. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Trockenfutter ist größer als der zwischen gutem Trocken- und gutem Nassfutter.

Das ist unbefriedigend, wenn man eine Empfehlung sucht. Es ist aber der ehrliche Stand – und es nimmt den Druck aus einer Entscheidung, die viele Welpenbesitzer länger beschäftigt, als sie sollte.

Worauf es wirklich ankommt: dass es ein Alleinfuttermittel für Welpen ist, dass die Menge stimmt und dass der Hund es verträgt.

Auf einem Blick

Der Wassergehalt ist der ganze Unterschied

Alles andere folgt daraus.

Nassfutter besteht zu etwa vier Fünfteln aus Wasser. Das heißt: größere Portionen bei gleicher Energie, ein vollerer Magen, mehr Flüssigkeit über die Nahrung. Für Hunde, die wenig trinken, ist das ein echter Vorteil.

Trockenfutter liefert dieselbe Energie in einem Bruchteil des Volumens. Das macht es lagerfähig, dosierbar und nebenbei zum brauchbaren Trainingsleckerli – die Tagesration lässt sich portionsweise übers Training verteilen.

Dass die Zahlen auf der Packung deshalb nicht direkt vergleichbar sind, ist der häufigste Lesefehler überhaupt. Wie man sie umrechnet, steht unter Hundefutter-Etikett lesen.

Der Zahnputz-Mythos

„Trockenfutter reinigt die Zähne“ ist der meistgenannte Grund dafür – und der schwächste.

Die meisten Kroketten zerfallen beim ersten Zubeißen. Ein mechanischer Abrieb entsteht dabei kaum, und viele Hunde schlucken ohnehin große Teile unzerkaut. Ein nennenswerter Effekt ist am ehesten bei speziellen Zahnpflegeprodukten mit größeren, faserigen Kroketten zu erwarten – nicht beim normalen Welpenfutter.

Was Zähne tatsächlich sauber hält, ist Zähneputzen. Alles andere ist Beiwerk. Beim Welpen ist ohnehin der Zahnwechsel das bestimmende Thema – in dieser Zeit ist das Zahnfleisch empfindlich, und manche Welpen bevorzugen dann vorübergehend Nassfutter oder eingeweichtes Trockenfutter.

Der Vergleich im Einzelnen

NassfutterTrockenfutter
Wassergehaltrund 80 %etwa 8 %
Akzeptanzmeist höhermeist gut, aber geringer
Sättigung je Kaloriehöher (mehr Volumen)niedriger
Flüssigkeitszufuhrdeutlicher BeitragHund muss selbst trinken
Dosierunggröber, Dose angebrochengenau abwiegbar
Haltbarkeit offenim Kühlschrank ein bis zwei TageWochen bis Monate
Unterwegsumständlichunproblematisch
Als Leckerliungeeignetgut geeignet
Kosten je Tagmeist höhermeist niedriger
Zahnreinigungkeinekaum belegt

Was für den Welpen zusätzlich zählt

Die Mahlzeitenzahl. Ein junger Welpe bekommt vier Mahlzeiten am Tag. Mit Nassfutter heißt das vier angebrochene Portionen – bei kleinen Rassen bleibt von einer Dose über den Tag etwas übrig, das in den Kühlschrank muss und vor dem Füttern wieder Zimmertemperatur braucht. Kalt aus dem Kühlschrank vertragen viele Welpen schlecht.

Die Wasseraufnahme. Ein Welpe, der Trockenfutter bekommt, muss deutlich mehr trinken. Wasser muss immer frei verfügbar sein – das gilt zwar immer, hier aber mit Nachdruck.

Einweichen? Bei sehr jungen Welpen und während des Zahnwechsels ist eingeweichtes Trockenfutter ein guter Mittelweg. Mit lauwarmem Wasser übergießen, zehn Minuten quellen lassen. Eingeweichtes Futter verdirbt schnell – Reste gehören weg, nicht in den Kühlschrank.

Große Rassen. Hier ist nicht die Konsistenz entscheidend, sondern der Kalzium- und Energiegehalt. Zu schnelles Wachstum schadet den Gelenken, siehe Gewichtstabelle.

Beides mischen

Geht, und viele machen es: morgens Nassfutter, abends Trockenfutter, oder beides im selben Napf.

Zwei Dinge sind dabei zu beachten:

Die Mengen anpassen. Nicht die volle Tagesration beider Sorten, sondern jeweils den Anteil. Wer die Hälfte der Trockenration und die Hälfte der Nassration gibt, liegt richtig. Die Gesamtmenge lässt sich mit dem Rechner unter Futtermenge Welpen bestimmen.

Beobachten. Manche Hunde vertragen die Mischung im selben Napf schlechter als getrennte Mahlzeiten. Das zeigt sich am Kot innerhalb weniger Tage.

Der gelegentlich gehörte Einwand, Nass- und Trockenfutter würden „unterschiedlich schnell verdaut“ und dürften deshalb nicht zusammen gefüttert werden, ist kein belegtes Problem. Wenn es dem Hund bekommt, ist es in Ordnung.

Wie du wechselst

Nie von heute auf morgen. Der Darm braucht Zeit, und ein abrupter Wechsel endet regelmäßig in Durchfall.

Der Ablauf über sieben bis zehn Tage steht ausführlich unter Futterumstellung beim Welpen.

Zusammenfassung

Nass oder trocken ist die falsche erste Frage – entscheidend ist, dass es ein Alleinfutter für Welpen ist, dass es vertragen wird und dass die Menge stimmt. Der wesentliche Unterschied ist der Wassergehalt, und daraus folgt fast alles andere: Nassfutter sättigt bei gleicher Energie besser und liefert Flüssigkeit, Trockenfutter ist genauer dosierbar, länger haltbar und als Leckerli brauchbar. Der Zahnputz-Effekt von Trockenfutter ist kaum belegt. Mischen ist möglich, wenn man beide Mengen anteilig kürzt – und jeder Wechsel gehört über sieben bis zehn Tage gestreckt.