Reizüberflutung bei Welpen

Welpen Erstausstattung im Fachhandel kaufen | Foto: Nomad Soul / bigstock.com

Dein Welpe ist bei dir eingezogen und du willst alles richtig machen.

Du hast die passende Erstausstattung für ihn gekauft, Ratgeber gelesen, dich mit seiner Rasse auseinander gesetzt, alle Formalitäten geklärt und ihn bei der Hundeschule angemeldet. Kommt dir diese Liste grad auch schon sehr lang vor?

Reizüberflutung für deinen Welpen ist anfangs schon, dass er in ein neues Zuhause kommt mit neuen Menschen, Geräuschen, Gerüchen. Viele Neuhundehalter machen den großen Fehler, dass sie ihren Welpen bloß nicht unterfordern wollen, damit er später gut sozialisiert, gut erzogen und gesellschaftsfähig ist. Für einen Welpen wird das alles jedoch schnell viel zu viel.

Puggle Welpe liegt unter seiner Kuscheldecke | Foto: Stu99 / bigstock.com

Gib deinem Welpen Zeit

Die Aufregung und Vorfreude sind groß, deine Erwartungen hoch und viele Pläne bereits geschmiedet. Doch dann kommt alles doch ganz anders als gedacht. Dein Welpe reagiert nicht wie geplant und du musst umdisponieren. Bei einem Welpen gilt „euer Leben ist das was passiert während du eifrig dabei bist andere Pläne zu machen“. Lass dich einfach auf den Moment ein und plane immer nur Schritt für Schritt in „Absprache“ mit deinem Welpen. Beobachte ihn genau und passe dich seinem Tempo an. Zwinge ihn nicht sich deinem Tempo anzupassen, denn dann kommt es schnell zu einer Reizüberflutung für ihn.

Zu viele Menschen = Reizüberflutung für den Welpen

Die gesamte Nachbarschaft, deine Familie und Freunde sind zur großen Willkommensfeier für deinen Welpen eingeladen?

Nicht so die allerbeste Idee. Stelle dir vor wie alle am Gartenzaun versammelt stehen, um ihn zu begrüßen. Das würde selbst dich stressen, oder?

Natürlich möchtest du das dein Welpe gut sozialisiert wird, aber nicht vom ersten Tag an. Starte nach einigen Tagen Eingewöhnung nur mit dir und der engsten Familie ganz langsam mit einigen Freunden/Nachbarn/Familie. Achte dabei auf das verhalten deines Welpen und passe die Pläne sorgsam immer und immer wieder neu an ihn an.

Plane keine großen Menschenansammlungen in den ersten Wochen bei dir Zuhause. Die Idee deinen Welpen von Anfang an an große Menschenmassen zu gewöhnen, um ihn so abzuhärten geht auch schnell mal nach hinten los. Im schlimmsten Fall wirst du sein Leben lang Probleme mit größeren Menschenmengen haben und ihn zukünftig immer zu Hause lassen müssen. Und genau das ist ja eben nicht dein Ziel.

Setze bewusst Grenzen bei fremden Menschen, die deinen so niedlichen Welpen gerne streicheln wollen. Dein Welpe ist keine Allgemeinbelustigung und muss sich nicht von jedem Passanten anfassen lassen.

Kleiner Welpe beißt in den Finger
Kleiner Welpe beißt in den Finger | Foto: Sushytska/ bigstock.com

Wer darf deinen Welpen anfassen und ihn füttern?

Am Anfang macht es wirklich Sinn, dass nur die engsten Familienangehörigen, die auch im Haushalt wohnen deinen Welpen anfassen dürfen.  Wenn er einige Wochen bei dir ist kannst du den Kreis nach und nach langsam und auf sein Verhalten angepasst ausweiten. Einige Welpen sind kontaktfreudiger als andere und Reizüberflutung beginnt für jeden Welpe an einen anderen Punkt. Deine Aufgabe als Besitzer ist es, dafür zu sorgen, dass dieser Punkt nicht über alle Maße überschritten wird.

Auch das Thema Futter geben ist heikel. Natürlich wollen alle den süßen Welpen füttern, aber Leckerlies sollten besonders in den ersten Wochen nur zum Training der Grundlektionen wie „Sitz“ und „Komm“ verwendet werden und nicht inflationär an den niedlichen kleinen Drops verfüttert werden.

Du wirst vermutlich die ein oder andere Diskussion führen müssen, aber dein Hund wird es dir später danken, wenn du in den ersten Wochen „hart“ bleibst und dafür sorgst, dass er weder von der Personenanzahl noch vom Futter geben reizüberflutet wird.

Das klingt alles vielleicht etwas sehr streng und anstrengend für dich, aber halte dich einfach an die folgende Grundregel: Lass deinen Welpen selbst entscheiden. Er geht von selbst auf bestimmte Menschen zu, und zieht sich von selbst zurück, wenn es ihm zu viel wird. Diese Grenzen müssen dann aber auch gewahrt werden und es ist dein Job dafür zu sorgen, dass alle, auch und besonders kleine Kinder, diese einhalten. Ein Welpe braucht viel Ruhe und Erholung, um all die Eindrücke seines neuen Lebens verarbeiten zu können.

Kooikerhondje Welpe | Foto: MirasWonderland / bigstock.com

Kontakt zu anderen Hunden ist wichtig

Natürlich ist Kontakt zu anderen Hunden sehr wichtig. Aber auch hier gilt Qualität vor Quantität. Und ganz wichtig ist, dass dein Welpe den nötigen Impfschutz hat. Vor der 12 Lebenswoche ist also kein Kontakt zu anderen Hunden ausserhalb seiner Geschwister und seiner Mutter gesundheitsfördernd. Einen Artikel über das Impfen von Welpen findest du hier: Welpen impfen.

Außerdem ist es auch wichtig welche Art von Kontakt dein Welpe mit anderen Hunden hat. Die ersten Begegnungen ausserhalb seiner eigenen Familie sind prägend für sein gesamtes Leben und daher mit Bedacht und Achtsamkeit auszuwählen von dir.

Der erste Kontakt sollte mit einem gut sozialisierten Hund statt finden oder mit anderen Welpen.

Ganz wichtig: die anderen Welpen sollten in der Größe nicht allzu unterschiedlich sein. Für einen Chihuahua Welpen kann es schnell sehr beängstigend sein, wenn plötzlich ein Mastiff Welpe im Spiel auf ihn rauf springt.

Eine gute Welpenschule achtet darauf, dass die Welpen in der Gruppe gut zueinander passen und keine all zu großen Größenunterschiede herrschen. Auch das Kräfteverhältnis sollte in einem guten Verhältnis sein. Denn eine Französische Bulldogge kann mit einem Windhund im Spiel schlecht mit halten und wird gegebenenfalls seine Kraft und sein Gewicht einsetzen was bei einem Windhund Welpen zu Angst, Panik und Aggression führen kann.

Auch beim Spiel mit anderen Welpen/ Hunden gilt achte auf Reizüberflutung. Du bist dafür verantwortlich, dass dein Welpe ausreichend Pausen bekommt. Kleine Welpen überdrehen beim spielen gerne und bekommen nicht mit, dass sie eigentlich schon zu müde und kaputt sind, um noch weiter zu spielen. Das führt nicht nur zu mentalen Reizüberflutungen, sondern kann auch schnell zu Unfällen körperlicher Art führen.

Mini Aussie Welpe auf dem Rasen mit Spielzeug
Mini Aussie Welpe auf dem Rasen mit Spielzeug | Foto: otsphoto / bigstock.com

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*